Moderne KI-Modelle und LLMs werden immer leistungsfähiger, allerdings steigt auch ihr Bedarf an Speicher, Rechenleistung und Energieressourcen. Eine der wichtigsten Methoden, um KI-Modelle effizienter bereitzustellen, ist die sogenannte Quantisierung. Doch was verbirgt sich hinter diesem Konzept und welche Rolle spielt es beim Einsatz moderner KI-Systeme?
Was ist Quantisierung?
Quantisierung beschreibt die Umwandlung von Modellparametern und Berechnungen in ein numerisches Format mit geringerer Präzision. Hochpräzise Gleitkommazahlen wie FP32 werden in kompakteren Zahlenformaten wie FP16 oder INT8 abgebildet. Dies reduziert die Größe des Modells, sodass Berechnungen effizienter durchgeführt werden können, meist ohne die Modellqualität wesentlich zu beeinträchtigen.
Warum ist Quantisierung für Unternehmen relevant?
Die Größe moderner KI-Modelle stellt viele Unternehmen vor technische und wirtschaftliche Herausforderungen. Große Modelle benötigen:
- Hohe Speicherkapazitäten
- Leistungsfähige GPUs
- Hoher Energieverbrauch
- Hohe Infrastrukturkosten
- Lange Antwortzeiten bei Inferenzanfragen
Durch Quantisierung lassen sich die Anforderungen von KI-Modellen deutlich reduzieren, sodass Unternehmen sie auf kostengünstigerer Hardware betreiben oder größere Modelle überhaupt innerhalb ihrer bestehenden Infrastruktur einsetzen können. Die Qualität der KI-Ergebnisse wird durch die Quantisierung nicht wesentlich beeinträchtigt.
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Wie funktioniert Quantisierung?
Ein KI-Modell besteht aus Millionen oder Milliarden numerischer Werte, die während des Trainings gelernt wurden. Dazu zählen insbesondere Gewichte (Weights), Bias-Werte sowie Aktivierungen (Activations), die während der Berechnungen innerhalb des neuronalen Netzes entstehen.
Bei der Quantisierung werden diese Werte auf einer kleineren Anzahl möglicher Zahlen abgebildet. Anstatt hochpräzise Gleitkommazahlen zu speichern, werden oft vereinfachte Werte verwendet.
Das häufig im Training genutzte 32-Bit-Gleitkommaformat (FP32) kann mehrere Milliarden unterschiedliche Werte repräsentieren. Ein 8-Bit-Integer-Format (INT8) verfügt dagegen beispielsweise lediglich über 256 mögliche Werte.
Wird ein Modell für den produktiven Einsatz auf ein 8-, 4- oder 2-Bit-Format quantisiert, ist die Darstellung also deutlich kompakter. Es müssen weniger Daten zwischen Speicher und Prozessor ausgetauscht werden. Gleichzeitig bleiben aber die wesentlichen Muster und Zusammenhänge erhalten. Das Ergebnis: Berechnungen können effizienter ausgeführt werden – und das meist ohne gravierenden Qualitätsverlust.Ein vereinfachtes Beispiel:
| Ursprünglicher Wert (FP16) | Quantisierter Wert (INT8) |
| 0,823 | 0,82 |
| -1,247 | -1,25 |
| 2,611 | 2,61 |
Welche Quantisierungsstufen gibt es?
In der Praxis haben sich verschiedene Bit-Tiefen etabliert.
| Format | Speicherbedarf | Typische Verwendung |
| FP32 | Sehr hoch | Training großer Modelle |
| FP16 | Hoch | Moderne GPU-Inferenz |
| INT8 | Mittel | Produktive Inferenz |
| INT4 | Niedrig | Lokale LLMs und Edge-Anwendungen |
| INT2 | Sehr niedrig | Experimentelle Verfahren |
Besonders 8-Bit- und 4-Bit-Quantisierung haben sich im Umfeld großer Sprachmodelle etabliert, da sie ein gutes Verhältnis zwischen Modellgröße und Genauigkeit bieten.
Die wichtigsten Arten von Quantisierung
Je nach Einsatzgebiet und gewünschter Modellqualität kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
Post-Training Quantization (PTQ)
Bei der Post-Training Quantization wird ein bereits trainiertes Modell nachträglich quantisiert. Das Modell muss dabei nicht erneut trainiert werden, was den Aufwand deutlich reduziert.
PTQ ist heute die am häufigsten eingesetzte Form der Quantisierung. Sie eignet sich besonders, wenn bereits ein funktionsfähiges Modell vorhanden ist und dessen Speicherbedarf oder Inferenzgeschwindigkeit optimiert werden soll. Das Verfahren lässt sich vergleichsweise schnell und kostengünstig umsetzen. Je nach Modell und Quantisierungsstufe können jedoch leichte Genauigkeitsverluste auftreten.
Quantization-Aware Training (QAT)
Beim Quantization-Aware Training wird die spätere Quantisierung bereits während des Trainings oder Fine-Tunings berücksichtigt. Das Modell lernt dabei, mit den Einschränkungen der reduzierten Genauigkeit umzugehen.
Dadurch lässt sich häufig eine höhere Modellqualität erreichen als bei einer nachträglichen Quantisierung. Gleichzeitig steigen jedoch der Trainingsaufwand, die benötigten Rechenressourcen und die Kosten.
QAT kommt daher vor allem bei besonders hohen Qualitätsanforderungen zum Einsatz. Voraussetzung für die Methode sind zudem ausreichende Trainingsdaten sowie Rechenkapazitäten.
Dynamische und statische Quantisierung
Neben dem Zeitpunkt der Quantisierung wird häufig auch zwischen dynamischer und statischer Quantisierung unterschieden.
Bei der dynamischen Quantisierung werden bestimmte Quantisierungsparameter während der Inferenz laufend an die Eingabedaten angepasst. Dadurch lässt sich häufig eine höhere Genauigkeit erzielen.
Bei der statischen Quantisierung werden diese Parameter bereits im Vorfeld festgelegt und bleiben während der Ausführung unverändert. Dieser Ansatz ist einfacher umzusetzen und wird in der Praxis häufig verwendet, kann jedoch in bestimmten Szenarien geringfügige Genauigkeitsnachteile mit sich bringen.
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Quantisierung bei Large Language Models
Mit dem Aufkommen großer Sprachmodelle hat sich die Quantisierung vom Nischenthema einiger Spezialisten zur Grundlagenfrage in IT-Abteilungen entwickelt. Bei Deployment und Inferenz von Sprachmodellen spielt die Quantisierungsmethode eine entscheidende Rolle für die Umsetzbarkeit von KI-Use-Cases und die Betriebskosten.
Ein Modell mit sieben Milliarden Parametern benötigt in FP16 mehrere Gigabyte Speicher. Durch eine 4-Bit-Quantisierung kann sich der Speicherbedarf auf etwa ein Viertel reduzieren. Dadurch wird es möglich, leistungsfähige Sprachmodelle auf einzelnen Workstations, Notebooks oder spezialisierten Edge-Geräten auszuführen. Viele lokale KI-Anwendungen wären ohne Quantisierung wirtschaftlich oder technisch kaum realisierbar.
Im Umfeld großer Sprachmodelle haben sich verschiedene Quantisierungsverfahren etabliert. Zu den bekanntesten gehören GPTQ (Generative Pre-trained Transformer Quantization) und AWQ (Activation-Aware Weight Quantization). Daneben hat sich mit GGUF ein Modellformat etabliert, das verschiedene Quantisierungsstufen unterstützt.
Vorteile der Quantisierung
Schnellere Inferenz
Durch die Nutzung kompakter Ganzzahldarstellungen können Berechnungen schneller abgeschlossen werden. Dies reduziert die Antwortzeiten von KI-Anwendungen und verbessert die Inferenzgeschwindigkeit.
Höhere Effizienz
Quantisierte Modelle benötigen weniger Rechenleistung und können daher auch auf ressourcenbeschränkter Hardware ausgeführt werden. Dadurch wird der Einsatz von KI auf Laptops, Tablets, Smartphones oder Edge-Geräten erleichtert.
Geringerer Stromverbrauch
Da weniger Rechenoperationen durchgeführt werden müssen, sinkt der Energiebedarf des Modells. Dies verbessert die Energieeffizienz und reduziert die Betriebskosten.
Breitere Hardware-Kompatibilität
Quantisierte Modelle können auch auf Hardware betrieben werden, die nur eingeschränkte Unterstützung für Gleitkommaoperationen bietet. Dadurch erweitert sich die Zahl potenzieller Zielplattformen.
Reduzierter Speicherbedarf
Da für jeden Modellparameter weniger Speicher benötigt wird, sinken die Anforderungen an Arbeitsspeicher und Grafikspeicher deutlich. Unternehmen können ihre bestehende Infrastruktur effizienter nutzen oder größere Modelle (kostengünstiger) betreiben.
Herausforderungen und Grenzen
Verlust an Präzision
Da Informationen auf einem reduzierten Zahlspektrum abgebildet werden, entsteht ein sogenannter Quantisierungsfehler. Mehrere Werte werden auf demselben quantisierten Wert abgebildet, was die mathematische Ungenauigkeit erhöht.
Bei sehr großen Sprachmodellen mit Milliarden von Parametern können sich Quantisierungsfehler über zahlreiche Schichten hinweg summieren. Je stärker ein Modell quantisiert wird, desto größer wird das Risiko von Qualitätsverlusten, d. h. ungenauen Antworten, Leistungsverlust und schlechteren Ergebnissen bei komplexen Aufgaben.
Zusätzlicher Trainings- und Optimierungsaufwand
Einige Quantisierungsverfahren erfordern zusätzliche Arbeitsschritte während der Modellentwicklung. Insbesondere das Quantization-Aware Training erhöht den Trainingsaufwand und damit auch die benötigten Rechenressourcen sowie die Kosten.
Aus diesem Grund wird in der Praxis häufig die kostengünstigere Post-Training Quantization eingesetzt. Diese erreicht jedoch nicht immer dieselbe Modellqualität.
Abwägung zwischen Effizienz und Modellqualität
Die zentrale Herausforderung besteht darin, das richtige Verhältnis von Ressourceneffizienz und Modellleistung zu finden. Während eine 8-Bit-Quantisierung häufig nur geringe Auswirkungen auf die Qualität hat, können aggressivere Verfahren wie 4-Bit- oder 2-Bit-Quantisierung je nach Anwendungsfall spürbare Einschränkungen verursachen.
Quantisierung im Vergleich zu anderen Optimierungsverfahren
Quantisierung ist nicht die einzige Methode, um KI-Modelle effizienter zu machen und Ressourcenbedarf und Kosten zu senken. Beim Pruning werden Modellparameter entfernt, die nur einen geringen Einfluss auf die Vorhersagen haben. Dadurch wird das Modell kleiner und benötigt weniger Rechenleistung. Allerdings kann das Entfernen die Modellstruktur verändern und erfordert häufig zusätzliche Optimierungsschritte, um Qualitätsverluste zu vermeiden.
Ein weiterer Ansatz ist die Knowledge Distillation. Dabei wird ein kleineres Modell – häufig als Student-Modell bezeichnet – trainiert, die Fähigkeiten eines größeren und leistungsfähigeren Teacher-Modellsmöglichst gut nachzubilden. Das resultierende Modell ist deutlich kompakter und schneller, erreicht jedoch nicht immer die Leistungsfähigkeit des ursprünglichen Modells.
Im Gegensatz dazu verändert Quantisierung die Modellarchitektur nicht. Stattdessen werden lediglich die numerischen Werte innerhalb des Modells mit geringerer Präzision dargestellt, wodurch sich die Größe eines Modells reduzieren lässt, ohne dessen grundlegende Struktur anzupassen.
Welches Verfahren am sinnvollsten ist, hängt von den jeweiligen Anforderungen ab. Quantisierung ist vergleichsweise einfach umzusetzen und eignet sich daher besonders für die Optimierung bestehender Modelle. Pruning und Knowledge Distillation bieten sich an, wenn Modelle grundlegend verkleinert oder speziell für bestimmte Einsatzszenarien optimiert werden sollen. In der Praxis werden die Verfahren häufig kombiniert, um maximale Effizienz bei hoher Modellqualität zu erreichen.
Wann lohnt sich Quantisierung?
Quantisierung ist nicht für jede KI-Anwendung erforderlich. Besonders sinnvoll ist sie, wenn Speicherbedarf, Rechenleistung oder Betriebskosten zum begrenzenden Faktor werden. Lokale Ausführung von Large Language Models: Wenn ein Modell auf einer einzelnen Workstation oder einem Notebook laufen soll, reduziert Quantisierung den benötigten Speicher deutlich.
- KI-Anwendungen auf Edge-Geräten: Begrenzte Hardware-Ressourcen machen kompakte Modelle häufig zur Voraussetzung für den produktiven Einsatz.
- Produktive Chatbots und Assistenten: Bei vielen gleichzeitigen Anfragen verbessert Quantisierung die Wirtschaftlichkeit der Infrastruktur.
- Mobile Anwendungen: Kleinere Modelle benötigen weniger Speicher und Energie und eignen sich daher besser für Smartphones und Tablets.
- Kostenoptimierung von KI-Infrastrukturen: Weniger Speicherbedarf und geringere Hardwareanforderungen reduzieren die laufenden Betriebskosten.
- Skalierung großer Inferenz-Workloads: Bei hohen Anfragevolumina können mehr Anfragen pro Server verarbeitet werden.


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Fazit
Quantisierung zeigt, dass leistungsfähige KI-Anwendungen nicht zwangsläufig immer mehr Hardware erfordern. Stattdessen geht es darum, vorhandene Ressourcen möglichst effizient zu nutzen.
Bei großen Sprachmodellen hat sich Quantisierung daher als wichtiger Baustein moderner KI-Infrastrukturen etabliert. Sie bietet Unternehmen eine Möglichkeit, leistungsfähige Modelle wirtschaftlicher zu betreiben und KI-Anwendungen auch dort einzusetzen, wo die verfügbaren Hardware-Ressourcen bislang eine Hürde darstellten.
FAQ
Führt Quantisierung immer zu Qualitätsverlusten?
Ein gewisser Informationsverlust ist unvermeidbar. Bei moderaten Quantisierungsstufen wie INT8 sind die Auswirkungen aber in der Regel gering. Stärkere Quantisierungen auf 4 oder 2 Bit können die Genauigkeit und Qualität der Modellergebnisse aber spürbar beeinträchtigen.
Welche Rolle spielt Quantisierung bei Large Language Models?
Quantisierung ermöglicht es, große Sprachmodelle mit deutlich geringerem Speicherbedarf auszuführen. Dadurch können viele LLMs auf lokaler Hardware oder kostengünstigeren Infrastrukturen betrieben werden.
Ist Quantisierung nur für große KI-Modelle relevant?
Nein. Auch kleinere Modelle können von Quantisierung profitieren, zum Beispiel wenn sie auf mobilen Geräten, Edge-Systemen oder in Anwendungen mit hohen Anforderungen an Energieeffizienz und Antwortgeschwindigkeit eingesetzt werden sollen.



