Während Unternehmen über KI-Strategien und Anwendungsfälle diskutieren, entwickelt sich im Hintergrund ein Wettlauf um die KI-Infrastruktur, die diese Anwendungen überhaupt erst ermöglicht. Der aktuelle GPU-Mangel macht deutlich: Wettbewerbsvorteile aus KI werden in Zukunft nicht nur durch die Leistungsfähigkeit von KI-Modellen entschieden, sondern auch durch den Zugang zu notwendigen Hardwareressourcen.

Die unsichtbare Grundlage der KI-Revolution

Viele Unternehmen erleben Künstliche Intelligenz heute vor allem als Software. Mitarbeitende nutzen Chatbots, Fachabteilungen testen neue Anwendungen.

Die dafür erforderliche Infrastruktur bleibt meist unsichtbar, obwohl moderne KI-Systeme enorme Rechenkapazitäten benötigen. Training, Anpassung und Betrieb großer Modelle erfolgen auf spezialisierten Grafikprozessoren, deren Nachfrage in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert ist.

Der KI-Boom hat dazu geführt, dass GPUs inzwischen zu den begehrtesten Technologie-Ressourcen weltweit gehören. Die Produktionskapazitäten konnten mit der Entwicklung nicht Schritt halten. Die Folgen erleben wir derzeit: Engpässe, lange Lieferzeiten und steigende Kosten.

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Warum das Unternehmen betrifft

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, dass der GPU-Mangel vor allem Technologieunternehmen betrifft, die eigene Sprachmodelle entwickeln. Tatsächlich reichen die Auswirkungen deutlich weiter.

Der aktuelle Engpass ist dabei nicht nur ein kurzfristiges Marktphänomen. Darauf weist auch C.C. Wei, CEO des weltweit größten Auftragsfertigers für Halbleiter TSMC, hin. Nach seiner Einschätzung wird die Nachfrage nach leistungsfähigen KI-Chips die verfügbaren Fertigungskapazitäten noch über Jahre übersteigen – trotz milliardenschwerer Investitionen in neue Rechenzentren und Produktionskapazitäten.

Jedes Unternehmen, das KI-Anwendungen entwickeln, betreiben oder skalieren möchte, ist indirekt von der verfügbaren Rechenleistung abhängig. Steigende Infrastrukturkosten wirken sich auf Business Cases aus. Begrenzte Kapazitäten können Projekte verzögern. Und wer KI-Dienste über die Cloud bezieht, ist darauf angewiesen, dass die Anbieter ausreichend Ressourcen bereitstellen können.

Damit wird eine Entwicklung sichtbar, die lange kaum beachtet wurde: KI-Projekte sind zunehmend auch Infrastrukturprojekte.

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Die Macht verlagert sich zur Infrastruktur

Der GPU-Mangel verändert die Kräfteverhältnisse im KI-Markt. Große Cloud-Anbieter und Technologiekonzerne investieren Milliarden in neue Rechenzentren und sichern sich frühzeitig Zugang zu den neuesten Hardwaregenerationen. Sie verfügen über finanzielle und organisatorische Möglichkeiten, die für viele andere Unternehmen unerreichbar sind.

Dadurch entsteht eine neue Form der Abhängigkeit. Während Unternehmen früher Software auswählten, müssen sie heute häufig auch die dahinterliegende Infrastruktur mitdenken. Die Frage lautet nicht mehr nur, welches KI-Modell genutzt werden soll, sondern auch, auf welcher Plattform dieses Modell betrieben wird.

Mit anderen Worten: Die Wahl einer KI-Lösung ist zunehmend auch eine Entscheidung über die zugrunde liegende Infrastruktur.

Mehr Rechenleistung ist nicht immer die Lösung

Eine Folge des GPU-Engpasses: Unternehmen beginnen zu hinterfragen, ob für jede Aufgabe die größten und leistungsfähigsten Modelle erforderlich sind.

Kleinere spezialisierte Modelle, Quantisierung oder andere Optimierungsverfahren gewinnen an Bedeutung. Sie ermöglichen es, KI-Anwendungen mit deutlich geringerem Ressourcenbedarf zu betreiben.

Die Größe eines Modells entscheidet nicht mehr automatisch über den wirtschaftlichen Erfolg. Wenn Unternehmen ein passgenaues Modell wählen, können sie die gewünschte KI-Unterstützung zu deutlich geringerem Ressourceneinsatz erreichen.

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Was Unternehmen jetzt tun sollten

Der GPU-Mangel wird voraussichtlich nicht dauerhaft verschwinden. Zwar investieren Hardwarehersteller und Cloud-Anbieter massiv in den Ausbau ihrer Kapazitäten, aber die Nachfrage nach KI wächst weiter.

Die Erfahrungen aus früheren Chipkrisen haben gezeigt, wie stark sich Engpässe bei Halbleitern auf ganze Branchen auswirken können. Während früher vor allem Produktions- und Lieferketten betroffen waren, geht es heute zunehmend um die Verfügbarkeit digitaler Innovations- und Automatisierungsprojekte.

Unternehmen sollten deshalb ihre KI-Strategie nicht ausschließlich auf Modelle und Anwendungsfälle ausrichten. Ebenso wichtig ist eine langfristige Infrastrukturstrategie: Welche Rechenressourcen werden benötigt? Wie entwickeln sich Kosten und Abhängigkeiten? Und welche Rolle sollen Cloud-Dienste, eigene Systeme oder hybride Ansätze künftig spielen?

Die Verfügbarkeit von KI-Infrastruktur entwickelt sich zu einer Frage der Resilienz.

Wer zentrale KI-Anwendungen vollständig auf externe Kapazitäten stützt, sollte mögliche Engpässe und Kostensteigerungen frühzeitig in seine Planung einbeziehen. Je stärker KI in Geschäftsprozesse integriert wird, desto wichtiger wird es für Unternehmen, die Verfügbarkeit der zugrunde liegenden Rechenleistung sicherzustellen.

FAQ

Warum sind GPUs für Künstliche Intelligenz so wichtig?

GPUs (Graphics Processing Units) können viele Rechenoperationen gleichzeitig ausführen und sind deshalb deutlich leistungsfähiger als klassische Prozessoren (CPUs), wenn es um KI-Anwendungen geht. Sie werden sowohl für das Training großer KI-Modelle als auch für deren Betrieb benötigt und bilden damit die technische Grundlage moderner KI-Infrastrukturen.

Betrifft der GPU-Mangel auch Unternehmen, die keine eigenen KI-Modelle entwickeln?

Ja. Auch Unternehmen, die KI ausschließlich über Cloud-Dienste oder Standardlösungen nutzen, sind indirekt betroffen. Steigende Nachfrage nach Rechenleistung kann sich beispielsweise in höheren Nutzungskosten, längeren Bereitstellungszeiten oder einer stärkeren Abhängigkeit von Cloud-Anbietern bemerkbar machen.

Wie können Unternehmen auf den GPU-Mangel reagieren?

Nicht jede KI-Anwendung benötigt die größten oder rechenintensivsten Modelle. Unternehmen sollten ihre KI-Strategie daher gemeinsam mit ihrer Infrastrukturstrategie planen, den tatsächlichen Rechenbedarf ihrer Anwendungsfälle bewerten und prüfen, ob kleinere oder spezialisierte Modelle eine wirtschaftlichere Alternative darstellen. So lassen sich Kosten reduzieren und Abhängigkeiten von knappen Rechenressourcen verringern.